karl Holtz



...Zwei Jahre darauf war die Ära "Ulenspiegel" beendet. Manche Mitarbeiter wohnten ohnehin in Westberlin und waren nimmermehr gesehen. Karl Holtz, schon in der Weimarer Republik berühmt, hatte 1949 im "Nebelspalter", einem schweizerischen satirischen Blatt, eine Zeichnung veröffentlicht, die als Verunglimpfung Stalins gewertet wurde. Unter den Augen der Zaren Peter der Große und Iwan der Schreckliche ließ sich der sowjetische Diktator verkleiden: Statt der Kriegsrüstung trug er nun das Gewand des Friedensengels. Folge: Holtz wurde von den Russen verhaftet und in eine Baracke geführt, wo ein Militärgericht tagte. Reihenweise standen dort Leute vor der bedrohlichen Pforte, um ihr Urteil zu empfangen. Ein Mann neben Karl Holtz raunte ihm zu: Hier kriegst du mindestens 25 Jahre! Holtz lachte, aber das Lachen verging ihm: Er bekam wirklich 25 Jahre aufgebrummt und verschwand im berüchtigten Bautzener Gefängnis, bis er, greisenhaft, 1956 vorzeitig entlassen nach Berlin zurückkehrte. Ich spreche hier so ausführlich über Karl Holtz, weil er zu den zeichnerischen Vorbildern meiner Kindheit gehörte; seine Bilder gemahnten an die "Neue Sachlichkeit", glatt und scharf umrissen...

Begleitbuch zur Wanderausstellung "Unterm Strich - Karikatur und Zensur in der DDR"
2005 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Zeitgeschichtliches Forum Leipzig
Edition Leipzig in der Seemann-Henschel GmbH & Co. KG
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