karl Holtz

Herbert Sandberg: Der freche Zeichenstift

Karl Holtz
kann auch galant sein

Fünf Kilometer von Potsdam entfernt liegt das kleine Örtchen Rehbrücke. Einige Häuser, ein paar Felder und sehr viel Wald. Und hier mitten im Walde haust wie ein Einsiedler der Zeichner Karl Holtz schon seit über dreißig Jahren. Wer keinen Lotsen hat, findet sein verstecktes Häuschen nicht. Doch zu dem, was der inzwischen Einundsechzigjährige alles gezeichnet hat, hat man leichteren Zugang. In vielen Zeitungen und Zeitschriften hat er schon zwei Generationen nachdenkliches Vergnügen bereitet. Vor dem ersten Weltkrieg sagte der Meisterschüler Emil Orliks auf der Kunstgewerbeschule seinen Kollegen: "Was die da um 'Ulk' (der Wochenbeilage des damaligen "Berliner Tageblattes") zeichnen, kann ich schon lange, vielleicht sogar noch besser." Und da der immer schmaler werdende Geldbeutel es gebieterisch verlangte, versuchte es Karl Holtz bald mit erstaunlichem Erfolg. Doch der Spaß sollte ihm schnell vergehen. Der erste Weltkrieg kam und verschonte auch Holtz nicht. Vier Jahre wurde er als Soldat von Front zu Front getrieben und zum erbitterten Kriegsgegner erzogen. Als er zurückkehrte, schrieb er an Rosa Luxemburg und wurde der erste Zeichner der "Roten Fahne", damals, als sie noch im Gebäude des kaisertreuen "Lokalanzeiger" gedruckt wurde. Von da ab setzte er sich immer wieder mit dem Klassenfeind auseinander, zeichnete für kommunistische und sozialdemokratische Zeitungen und Zeitschriften.

Ihm kam es darauf an, eine einfache und klare Ausdrucksweise zu finden, er wollte verstanden werden. Holtz wurde ein Anhänger der "Neuen Sachlichkeit". Unter Führung der Maler Kanold und Mense, Scholz und Schrimpf beantwortete eine Gruppe von Künstlern die nervöse, großflächige Malweise der damaligen "Moderne" mit einer übergenauen Darstellung der Wirklichkeit. Altmeisterlich wurde hier mit kleinstem Pinsel bewußt das Handwerkliche betont. Holtz führte diese neuen (eigentlich ganz alten) künstlerischen Erkenntnisse in die Presse ein und hatte mit seinen exakt getuschten Temperablättern oder mit Zirkel und Lineal hingesetzten Federstrichen einen erstaunlichen Widerhall. Zwischen den beiden Kriegen konnte man seine einfallsreichen Zeichnungen nicht nur in der Arbeiterpresse, sondern auch im "Simplizissimus", in der "Jugend", im "Querschnitt", "Lachen links", "Wahren Jakob", "Stachelschwein" und vielen anderen Zeitschriften finden. In der Nazizeit hatte er Berufsverbot.

Doch immer nur große Politik zu zeichnen ist anstrengend, und ständig "Neue Sachlichkeit" macht müde. Deshalb hat Karl Holtz zu seinem eigenen Spaße und seinen Kritikern zum Trotz, die seine Technik mitunter als "etwas kühl" bezeichneten, auch eine ganze Reihe frecher Witze gezeichnet, die wir in dem linkssozialistischen Witzblatt "Die Ente" fanden, das Anfang der dreißiger Jahre die Berliner amüsierte. Diese Blätter des galanten Holtz haben wir hier ausgegraben und wollen sie seinen vielen politischen Karikaturen an die Seite stellen, die wir wieder wöchentlich im "Eulenspiegel" bewundern können.