Karl Holtz


Warum Karl Holtz?

Unter den namhaften Bürgern von Bergholz-Rehbrücke nimmt Karl Holtz jene herausragende Stellung ein, die einem Menschen zukommt, der trotz Größe und Bekanntheit seine Bescheidenheit und Menschlichkeit bewahrte. Mehr als 45 Jahre lebte er hier, zurückgezogen, distanziert, belastet mit dem Gerücht: Der war im Knast, einige Jährchen, allerdings aus politischen Gründen. (Alexander Richter) Nachdem sein Lebenslauf publik wurde, fühlen wir uns in der Pflicht, eine Art Wiedergutmachung zu erbringen. Bewusst oder unbewusst unterlagen wir der Vorstellung, dass „Knast“ und „politisch“ suspekt macht. Hier also wollen wir unsere moralische Schuld gegenüber Karl Holtz und seiner aufrichtigen Gesinnung (W.G.O.) abtragen.

Unbestritten ist, dass Karl Holtz zu den Großen in der Grafikkunst der 20er-30er Jahren gehörte. Seinen persönliches Stil fand er frühzeitig, bereits vor 1925: eine filigran exakte Zeichentechnik. Die kontrastreiche, fast geometrische Gestaltung und die spartanische, aufs Wesentliche beschränkte Darstellung neigen zum Plakativen hin, was sich für Illustrationen und politische Agitation als gleichermaßen geeignet erwies.
Gerade Letzteres macht sein Wirken für die linke Presse, für die Verdammten dieser Erde (Sonja Schnitzler) bedeutend. Die Aufrichtigkeit der Gesinnung hatte eine klare Orientierung und Richtung. Nicht nur, weil er mit Rosa Luxemburg sympathisierte, denn einer politischen Partei schloss er sich für längere Zeit nicht an. Es ist auch der Charakter, die Benachteiligten in einer Gesellschaft sehen zu wollen; dazu die Erkenntnis, die Schuldigen an der Misere namentlich kenntlich karikieren zu müssen. Dass er ebenso die „menschlichen Schwächen“ der Bürgerlichkeit aufspießte, sei ihm zugestanden. Der Humor als künstlerisches Mittel half ihm, publikumswirksam zu sein. Viel mehr aber befeindete er die Unmenschlichkeit, die Reaktion nach der gescheiterten Revolution 1918, die Kriegslüsternheit der Nationalsozialisten.
In dieser Hinsicht unterliegt Karl Holtz der Crux aller Intellektuellen: dem Anspruch nach geistiger Unabhängigkeit, gleich wie die Verhältnisse auch sein mögen. Ein so absoluter Idealismus führt unweigerlich zu Konflikten mit den Herrschenden – und Karl Holtz letztlich zu 25 Jahren Arbeitslager. Dass er begnadigt und nach sieben Jahren aus Bautzen nach Rehbrücke zurückkehrte ändert nichts an der Haltung, sich selbst treu zu bleiben.

Der letzte Grund „Warum Karl Holtz?“ ist also politisch. Seine intellektuelle Redlichkeit erlaubte ihm nicht zu schweigen, wo andere nichts wagten. Die Verhältnisse waren noch nicht kennbar, als er wusste, dass ein Friedensengel ihnen nicht gerecht werden könnte. Wer sich für solchen ausgab, führte anderes im Schilde. Doch ahnen konnte er nicht, wie sehr die Symbolik des Palmwedels sein Schicksal beeinflussen würde. Die sowjetische Militäradministration in Brandenburg konterte scharf, als sie im August 1949 das Urteil fällte. Er hätte in das freie Berlin kommen können...(W.G.O.), ging aber nicht. War es das Haus und die später pflegebedürftige Ehefrau, die ihn hier hielten? Man darf es annehmen. Welches Ende die Sache um seine Rente nahm, wissen wir auch nicht. So oder so, sein Leben und sein Werk eignen sich wenig dazu, für politische Polemik instrumentalisiert zu werden.

Unser Anliegen besteht nicht darin, politischen Diskurs zu betreiben. Es ist weit mehr, wenn wir eine geistige Anstrengung abfordern. Überlassen wir uns dem intellektuellen Vergnügen, das Holtz'sche Kunst, in welcher Form auch immer, und sein Humor bereiten. Oft trifft uns die Direktheit seiner Aussagen unerwartet und unverblühmt. Doch vor den Folgen wird gewarnt: Wie bei jedem Genuss ist nachhaltige Wirkung nicht auszuschließen!